Posthuman und immersiv

Interdisziplinäres Projektseminar SoSe 2021 und/oder WS 2021/2022
Marion Mangelsdorf und Kiran Hug

Wir sind wir mit unserer Umwelt, Anderen und uns selbst ›connected‹? Durch das Word Wide Web und Social Media hat sich ein globales Netzwerk aufgebaut, 24/7 sind wir mobil erreichbar, doch wie steht es um die Verbindung der Einzelnen zu sich selbst, untereinander und mit ihren diversen (medialen) Umwelten? Welcher Voraussetzungen bedarf es, um einzutauchen in uns umgebene Raumzeitlichkeiten? Welcher Atmophäre bedarf es, um sich auf eine Situation einzulassen?


Posthuman

Im Posthumanismus werden Fragen der Verbundenheit zentral gesetzt. Sie basieren auf der Annahme, dass nicht eine kategoriale Differenz, sondern ein Kontinuum besteht zwischen: Natur–Kultur/Technik; Gegebenem–Konstruiertem, Menschlichem–nicht-Menschlichem; männlich–weiblich (vgl. Braidotti 2014, 8-9). – Doch was bedeutet das konkret? Um die Bandbreite möglicher Themen anzureißen, benennen wir hier ein paar Fragen:

  • Sind wir zwar mit unseren mobilen Endgeräten verschmolzen, aber fühlen uns abgetrennt von unserer Umwelt?
  • Können wir Algorithmen ebenso beeinflussen wie sie unser Verhalten steuern?
  • Auf welche invasive Art und Weise greifen Menschen in Umwelten ein, bestimmen über Leben und Tod anderer Lebewesen und die Vernichtung von Lebensraum?
  • Was wissen wir und können wir jenseits bekannter Kategorisierungen zulassen vom »Evolution’s Rainbow« (Roughgarden 2004), das heißt der Vielfalt von sex-gender-desire-Ausdrucksformen bei Menschen und anderen Tieren? 


Immersiv

Der Posthumanismus reflektiert eine Haltung zur Welt, in der sich die Menschen nicht als abgegrenzt von ihrer Umwelt begreifen. Somit beschreibt diese Philosophie eine Bewußtseinsform oder Seinsweise, die zur Frage einlädt: Wie können wir uns immersiv in Raum und Zeit bewegen? Wie können wir in Flow geraten (Csikszentmihalyi 2019)?

Vom Wortursprung her verweist Immersion – lateinisch immersio – auf eine physische Erfahrung des Eintauchens in Flüssigkeit. In einem weiteren Sinn kann Immersion als sinnlich-leibliches Phänomen verstanden werden, das auf einen subjektiven Moment der Erfahrung in Raum und Zeit hinweist. Sie beschreibt eine Wirkung von etwas, das die Aufmerksamkeit in einer Weise beansprucht, so dass möglich ist, sich darauf konzentrieren und einlassen zu können (Curtis & Voss 2008).  


Interdisziplinäres Projektseminar

Dieses interdisziplinäre Projektseminar fördert Prozesse des problembasierten Lernens (PBL) und befasst sich mit affirmativen Feedbackmethoden. Es kann wahlweise über ein oder zwei Semester belegt werden, um sich ebenso theoretisch wie praktisch-gestalterisch mit posthumanistischen Fragen anhand eines selbstgewählten Studienprojekts zu befassen. Dabei sollen auf der Grundlage konkreter Beispiele aus den Studienprojekten vor allem folgende Fragen miteinander näher beleuchtet werden: 

  • Wie kann eine posthumanistische Ethik ausgestaltet werden?
  • Wie können immersive Räume und Situationen kreiert werden?

Weitere Informationen zum Seminar siehe unter: Interaktive Webdokumentation Posthuman und immersiv