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Muße und Körper-Tagung

17. Oktober 2019 - 19. Oktober 2019

Erlebnisse von Muße hängen stark mit leiblichen Empfindungen und körperlicher 
 Erfahrung zusammen. Bestimmte Körpertechniken – ob es das Flanieren ist, eine Meditationsübung oder schlicht das Verharren im Raum – sind oft als Wege zur Muße beschrieben worden, während andere eher als mußehinderlich gelten. Stellt sich Muße ein, wird sie aber erstaunlich häufig ohne weiteren Bezug auf den Körper beschrieben: Gedanken schweifen, die Aufmerksamkeit verändert sich, Kritik und 
 Erkenntnis werden möglich.

Vor diesem Hintergrund stellt die interdisziplinäre Tagung des Sonderforschungsbereichs 1015 „Muße“ den Zusammenhang von Muße und Körperlichkeit in den 
 Mittelpunkt und versucht, ihr Verhältnis genauer zu bestimmen. Wir verfolgen mit der Tagung das Ziel, empirische Beispiele des Zusammenhangs von Körper und Muße zu diskutieren, Theorien zu Muße und Körper zu entwickeln und in einen Austausch über Methoden der Erforschung des Themas zu kommen. Die einzelnen Beiträge können sich in einem dieser Felder verorten, sollten dabei aber anschlussfähig für die anderen Felder bleiben. Ein besonderes Anliegen der Tagung ist es, den Dialog zwischen geistes-, sozial- und kognitionswissenschaftlichen Ansätzen auf Leib und Körper zu fördern.

Empirische Beispiele für den Zusammenhang von Muße und Körper dürften sich in allen Epochen und Regionen finden; für uns sind dabei historische Arbeiten ebenso relevant wie literaturwissenschaftliche, psychologische oder sozialwissenschaftliche Ansätze. Ob es nun um die körperliche Erfahrung von Musik oder Tanz geht, um die Leibesfülle des trägen Oblomov, um die Kasteiung der Säulenheiligen oder um das Vergessen des Alltags beim Joggen – sehr häufig sind Mußepraktiken körperlich codiert.

Solche Praktiken genauer zu beschreiben, ihre Variationsbreite kennenzulernen und dabei besser zu verstehen, wie ihre Akteure den Zusammenhang von Muße und 
 Körper jeweils sehen, ist Grundvoraussetzung für jede informierte Diskussion des Themas, insbesondere aber für die Entwicklung von Theorien zu Muße und Körper. Ist Muße eine Körpertechnik, ist sie körperlich induzierbar? In welchem Maße ist sie leiblich? Wie verändert sich das Körpergefühl in der Muße? Werden Mußeerfahrungen ihrerseits verkörpert und verändern uns auf diesem Weg? Diese Fragen können und sollen in der Tagung anhand von empirischen Beispielen und konzeptuellen Überlegungen gleichermaßen gestellt werden.

Jede dieser Fragen verweist aber gleichzeitig auf die Schwierigkeit ihrer Beantwortung. Mit welchen Methoden können wir überhaupt Zugang zur körperlichen Seite von Mußeerfahrungen finden? Wie können wir körperliche Erfahrungen in Worten beschreiben? Wie gehen unterschiedliche Fächer mit körperlichem Wissen, mit der Leiblichkeit unseres Handelns und mit den methodischen Herausforderungen ihrer Beschreibung und Analyse um?

Die drei skizzierten Felder sollen dazu dienen, ein breites inhaltliches und disziplinäres Spektrum von Beiträgen anschlussfähig aneinander zu machen.

 

Details

Beginn:
17. Oktober 2019
Ende:
19. Oktober 2019
Veranstaltungkategorie:

Veranstalter

SFB 1015 Muße. Grenzen, Raumzeitlichkeit, Praktiken
Website:
https://www.sfb1015.uni-freiburg.de/de